„Fachkräftemangel und demographischer Wandel“
„Die Deutschen arbeiten zu wenig, sie sind zu oft krank und Arbeitslose werden nicht ausreichend dazu motiviert, wieder in Beschäftigung zu kommen.“
Aussagen wie diese prägen derzeit die politische Debatte über den deutschen Arbeitsmarkt. Unsere Podiumsdiskussion am vergangenen Samstag kam zu einem differenzierteren Fazit: Zwar lassen sich durchaus Fragen zur Arbeitsmentalität und zu bestehenden Fehlanreizen stellen – Arbeitszeitdebatten oder härtere Sanktionen für Arbeitslose greifen jedoch zu kurz und laufen an den eigentlichen strukturellen Herausforderungen vorbei.
Das Paradox des deutschen Arbeitsmarkts

Im Mittelpunkt stand vielmehr das Paradox eines Arbeitsmarkts, der gleichzeitig unter Fachkräftemangel leidet und dennoch steigende Arbeitslosigkeit verzeichnet. Dies verdeutlicht einen zunehmenden strukturellen Mismatch: Die Qualifikationen vieler Arbeitskräfte passen nicht ausreichend zu den Anforderungen einer sich wandelnden Wirtschaft. Umso wichtiger wird es, Beschäftigte kontinuierlich beim Erwerb neuer Kompetenzen zu unterstützen und Weiterbildung als selbstverständlichen Bestandteil des Berufslebens zu etablieren.
Gemeinsame Restaurantbesuche und das gesellige Ausklingen der Abende rundeten das Programm ab.

Strukturwandel als Chance
„Zu bequem für den Wandel? Deutschlands Arbeitsmarkt im Umbruch“
Unser Panel stellte fest: Deutschland darf sich dem wirtschaftlichen Strukturwandel nicht aus einem falschen Konservatismus heraus entgegenstellen. Die Entwicklung hin zu einer stärker automatisierten, KI-gestützten und auf Hochtechnologie ausgerichteten Wirtschaft eröffnet große Chancen – vorausgesetzt, Unternehmen, Politik und Gesellschaft schaffen die richtigen Rahmenbedingungen. Dazu gehören:
- ein Arbeitsmarkt, der unterschiedliche Erwerbs- und Arbeitszeitmodelle ermöglicht,
- bessere Anreize zur Ausweitung der Erwerbsbeteiligung – etwa durch den Abbau steuerlicher Fehlanreize (z. B. Ehegattensplitting),
- ein Sozialstaat, dessen Finanzierung nicht einseitig auf dem Faktor Arbeit lastet,
- weniger Bürokratie bei Qualifizierung und Fachkräfteeinwanderung,
- mehr Investitionen in Bildung und Betreuung, damit vorhandene Erwerbspotenziale tatsächlich genutzt werden können.
Unsere Podiumsgäste
Ein herzlicher Dank gilt unseren Podiumsgästen für die spannende und konstruktive Diskussion:
- Prof. Dr. Melanie Arntz (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Vizedirektorin des IAB) – Keynote-Speakerin
- Prof. Dr. Andreas Pinkwart (ehemaliger stellv. Ministerpräsident und Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen)
- Johannes Beckmann (DGB NRW)
- Volker Schlinge (METRO Deutschland GmbH)
Moderiert wurde die Diskussion von unserem Alumnus Julius Lützenkirchen.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Podiumsgästen, Teilnehmenden sowie den Organisatorinnen und Organisatoren, die diese Veranstaltung ermöglicht haben.
Wir freuen uns schon jetzt auf nächstes Jahr!
